Mit den Augen hören – Gottesdienst für Hörgeschädigte

Nach einigen Jahren fand in der Gemeinde Bad Harzburg wieder einmal ein Gottesdienst für unsere hörgeschädigten Geschwister und deren Gäste statt. Am Sonntag, den 21. Juli 2013, trafen sich Hörgeschädigte und Hörende zu einem gemeinsamen Gottesdienst.

Seit 1975 gibt es in der Gebietskirche Niedersachsen ein spezielles Angebot für Hörgeschädigte. Regelmäßig finden Gottesdienste in Lautsprache mit lautsprachbegleitenden Gebärden (Abkürzung: LBG) statt. Dabei wird die Predigt in einfachen Sätzen deutlich gesprochen und durch Gesten mit den Händen unterstützt. Durch die Kombination des Ablesens vom Mund und der Gesten können Hörgeschädigte sowie Gehörlose den Inhalt verstehen.

Die Gottesdienste bereichern Hörgeschädigte und Hörende gleichermaßen. Sie fördern das gegenseitige Verständnis und stärken die Gemeinschaft. Für Hörgeschädigte, die alltäglich mit Kommunikationsbarrieren konfrontiert werden, sind diese Begegnungen besondere Höhepunkte. (Siehe auch: http://gruppe-hoergeschaedigte.nak-nordost.de/)

Am Sonntag, den 21. Juli 2013, fand ein solcher spezieller Gottesdienst in unserer Kirche in Bad Harzburg statt. Gemeinsam mit der hörenden Kirchengemeinde erlebten 32 Hörgeschädigte und ihre Betreuer aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt einen Gottesdienst, in welchem die Versöhnung mit Gott im Mittelpunkt stand. Priester Klaus Sontowski aus Hameln hielt die Predigt, in der das Bibelwort 2. Korinther 5, 18.19 die Grundlage bildete:

„Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.“

Insbesondere wurde das „Amt, das die Versöhnung predigt“ den Geschwistern bewusst gemacht. Aber auch die Bedeutung der Versöhnung untereinander wurde eindrücklich beleuchtet.

Priester Sturm aus Stendal und Evangelist Knigge aus Braunschweig unterstrichen in ihrem Mitdienen die Kerngedanken der Predigt.

Der Gesang des Gemeindechores wurde von Julia Döhrmann aus Wolfsburg-Fallersleben für die Hörgeschädigten übersetzt. Ein für alle Gottesdienstteilnehmer besonderer Augenblick war das gemeinsam gebärdete Lied „So nimm denn meine Hände“. Die hörende Gemeinde konnte sich selbst davon überzeugen, dass es eigentlich ganz einfach ist, sich mit Hörgeschädigten zu unterhalten. Man muss nur langsam und deutlich sprechen, kurze Sätze verwenden, Fremdwörter vermeiden und den Gesprächspartner auch ansehen.

Bei einem anschließenden Brunch auf dem Kirchenhof fand ein reger Gedankenaustausch zwischen den Besuchern dieses Gottesdienstes statt, der sicherlich noch lange in schöner Erinnerung bleiben wird.

R.K. Fotos: T.B.